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Creative Output

Meet me in VR

antwerpes als Sponsor bei der Shift Medical 2021

Immersives Eventerlebnis: Vom 23. bis 25. September fand die Shift Medical 2021 statt, Europas größter virtueller Kongress für Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) im Healthcare-Bereich. antwerpes und DocCheck waren als Sponsoren ein Teil der Veranstaltung. Alex Kals, unser Head of Team Extended Reality, hat an dem Event teilgenommen. Im Interview schildert er Thilo seine Eindrücke und erklärt dabei auch, was es mit dem „One to rule them all“-Ansatz auf sich hat.


 

Thilo: Alex, du warst gerade auf der Shift Medical 2021. Was ist an dieser Kombination, „Medical “ und „Virtual Reality“ (VR), so spannend?

Alex: In meinen Augen bietet gerade die Medizin verschiedenste Möglichkeiten, VR zu nutzen, das fängt bei der Lehre und der Vermittlung von medizinischem Wissen an, geht über die Vorbereitung von OPs bis zum Einsatz in der Therapie von Patienten. Durch das immersive Erleben der Inhalte in VR ist es möglich, Situationen des Alltags zu simulieren, ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen. Stell dir vor, du hast Höhenangst und musst im Zuge deiner Therapie einen Turm ersteigen. Leider bist du noch nicht so weit und bleibst wir erstarrt oben auf dem Turm stehen. Im echten Leben wäre das wirklich ein großes Problem. In einer VR-Simulation kann der Therapeut eingreifen und dich schnell aus dieser Situation befreien, in dem er die Anwendung beendet oder dir die Brille abzieht. Das bedeutet, als Patient kannst du stressige Situationen in einer sicheren Umgebung erleben und bewältigen. Das gleiche gilt natürlich dann auch für Ärzte, um Stresssituationen oder Notfälle zu proben.

Thilo: Und die ganze Shift Medical findet wirklich komplett im virtuellen Raum statt? Wie läuft sowas ab?

Alex: Jeder der Teilnehmer benötigt den passenden Client (Anwendung), um an der Veranstaltung teilzunehmen. Ähnlich wie bei Multiplayer-Games am Computer loggt man sich dann ein, modifiziert seinen Avatar und betritt mit diesem dann den virtuellen Raum. Bei der Shift Medical gab es dann zwei unterschiedliche Areas. In der Networking Area konnte man sich frei bewegen und mit jedem unterhalten – quasi wie im echten Leben! Die zweite Area war das Auditorium, wo die Vorträge auf einer Bühne gehalten wurden. Es gab drei große Screens für die Präsentationen und Videos. Sogar an einen Backstage-Bereich wurde gedacht. Diesen konnte man vor seinem Vortrag betreten, um die letzten Details mit dem Veranstalter zu besprechen. Auf der Stage selbst durften dann nur die Vortragenden und der Moderator sprechen, als Zuschauer war man an seinen Platz „gefesselt“. Über bestimmte Funktionen im Menü konnte man aber applaudieren und so dem Vortragenden Feedback geben.

Thilo: Was gab’s Neues in diesem Jahr?

Alex: Ich persönlich fand den Talk „Virtual Reality in Clinical Psychology“ von Mel Slater von der Universität Barcelona sehr spannend. Sein Team und er erforschen unter anderem, wie gut das Erlernen von Fähigkeiten in der virtuellen Welt funktioniert und ob es nachweisbar Lerneffekte gibt. Ich finde es wichtig, dass die Wissenschaft untermauert, dass es diese Lerneffekte in VR gibt und es nicht nur eine Spielerei ist. Ansonsten waren besonders die Vorträge spannend, aus denen hervorging, dass AR, VR & 3D-Druck schon im Krankenhausalltag angewandt und erprobt werden. Ärzte aus verschiedenen Krankenhäusern weltweit bereiten sich in VR-Anwendungen auf Operationen vor und lassen sich mithilfe dieser Technologien Informationen während der OP einblenden – vergleichbar mit dem Head up-Display beim Autofahren. Sehr spannend und faszinierend!

Thilo: Ich nehme an, auch zahlreiche Ärzte waren beim Kongress dabei. Wie ist es aus deiner Sicht um deren Akzeptanz der VR-Technologie bestellt?

Alex: Viele der Besucher waren Ärzte, welche sehr interessiert daran waren, ihre tägliche Arbeit als auch die Aufklärung ihrer Patienten durch Extended Reality (XR) zu verbessern. Aus meiner Sicht wächst die Akzeptanz der XR-Technologien, was zum einen an der Qualität von 3D-Inhalten und -Anwendungen liegt, aber auch am Zugang zur Hardware. Meiner Meinung nach schätzen Ärzte den interaktiven Umgang mit medizinischen 3D-Inhalten sehr. Die Technologie bietet einfach so viel mehr Raum als ein abgedrucktes Bild in einem Lehrbuch. Wenn wir jetzt noch erreichen können, dass sich Patienten oder Studenten mit ihrem Arzt virtuelle treffen können, dann wird sich dieser Trend gar nicht mehr aufhalten lassen. Und genau an diesem Thema sind wir selbst dran, um noch mehr Ärzt:innen, Studierende und eben auch Patient:innen von unsere Begeisterung noch weiter anstecken zu können.

Thilo: Nicht jeder möchte sich stundenlang ein VR-Headset anziehen, um sich mit VR-Inhalten zu beschäftigen. Wie glaubst du, kann diese Hürde genommen werden?

Alex: Das Zauberwort in diesem Zusammenhang ist XR, also das ganze Spektrum von Augmented Reality (AR), Mixed Reality (MR) und Virtual Reality (VR). Man kann z. B. AR sehr gut nutzen, um Lust auf mehr zu machen. Einen menschlichen Knochen per iPad vor sich auf den Tisch zu platzieren ist schon ziemlich cool, aber sich dann in der VR auch um ihn herum zu bewegen, mit diesem zu interagiereren oder im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf reinzustecken und sich seine Beschaffenheit sehr genau anzuschauen, ist dann nochmal ein anderes Level. Für mich ergänzen sich all diese Technologien sehr gut, solange die Inhalte der Anwendung gut aufbereitet und relevant sind. Daher verfolgen mein Team und ich einen Ansatz, welchen wir „One to rule them all“ nennen. Wir versuchen Konzepte und Inhalte zu entwickeln, welche medizinisch akkurat und lehrreich sind, und spielen diese dann auf möglichst vielen Technologien und Plattformen aus. Damit haben wir diesen einen (one) Inhalt, welchen wir dann sowohl für AR-Apps, VR-Anwendungen sowie per WebGL auf Websites einbinden können („to rule them all“). Meine Hypothese: Hat man eine Version erlebt, bekommt man Appetit auf mehr und will dann auch die anderen kennenlernen. Davon bin ich überzeugt!

Thilo: Deine persönliche Einschätzung: Was wird sich 2022 in Sachen VR tun?

Alex: Ich hatte ja bereits erwähnt, dass das gemeinsame Erleben von Inhalten in VR immer wichtiger werden wird. Und ich denke auch, dass wir in diesem Bereich im nächsten Jahr noch mehr Anwendungen sehen werden. Aktuell kann man sich ja schon zum kollaborativen Arbeiten oder Spielen im VR-Raum treffen. Daher wird der nächste Schritt sein, noch dediziertere Anwendungen, gerade im Healthcare-Sektor, zu entwickeln und zu nutzen. Und vielleicht mischt Apple nächstes Jahr den Markt nochmal auf. Es bleibt auf jeden Fall spannend und ich freue mich riesig drauf!

Thilo: Danke dir, Alex! Ich bin gespannt, was uns in dem Bereich noch erwarten wird.