Digitale Transformation, IoT Internet of Things
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Digitale Transformation im Marketing – transform or be transformed!

Die Digitale Transformation (DT) ist in aller Munde und hat je nach Branche und Industriezweig unterschiedliche Ausprägungen. Thilo Kölzer sieht in ihr die Chance, das Marketing von Unternehmen durch Technologien wie Internet-of-Things, Künstliche Intelligenz oder Virtual Reality zu erweitern bzw. zu transformieren.


Unter Digitale Transformation versteht wahrscheinlich jeder etwas anderes.

Wikipedia gibt eine kurze und prägnante Definition:
Die Digitale Transformation bezeichnet einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der die gesamte Gesellschaft und insbesondere Unternehmen betrifft. Basis der digitalen Transformation sind digitale Technologien, die in einer immer schneller werdenden Folge entwickelt werden und somit den Weg für wieder neue digitale Technologien ebnen.
Das Kuriose ist

Liest man diese Definition, erfährt man praktisch nichts Neues. Alles schon mal gehört oder sogar in eigenen Projekten eingesetzt: Im Marketing werden seit über 20 Jahren gedruckte Kataloge durch Websites und seit zehn Jahren herkömmliches Verkaufsmaterial durch Tablet-Anwendungen ersetzt. Seit sieben Jahren nutzen wir eine Vielzahl von Apps, um unser tägliches Leben zu ergänzen, es zu vereinfachen und um in Kommunikation mit unserer Umwelt zu treten. Insofern sind wir alle seit Jahren Teil dieses Transformationsprozesses oder sind ein oder mehrere Male transformiert worden.

Interessant ist aber der Halbsatz “…und somit den Weg für wieder neue digitale Technologien ebnen.“ Das bedeutet: Die Disruption und ständige Ablösung von Bestehendem sind fester Bestandteil der Digitalen Transformation. Sie hat zwar schon vor langer Zeit begonnen und mächtig Fahrt aufgenommen. Mittlerweile verläuft die Fahrt allerdings so schnell, sind die Vehikel so zahlreich und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung so immanent, dass man sich ihr dringend widmen sollte.

Digitale Transformation löst herkömmliche Geschäftsmodelle ab

In Unternehmen kann die Digitale Transformation praktisch alles umfassen: Kundenkommunikation, Produktionsprozesse, operative Prozesse, interne Kommunikation bis hin zu der Entwicklung ganz neuer Geschäftsmodelle. Daher kommt auch der disruptive Charakter der Digitalen Transformation: Herkömmliche Geschäftsmodelle laufen Gefahr, zum Auslaufmodell und durch komplett neue Ansätze abgelöst zu werden.

Aktuelles Beispiel

Die klassische Automobilindustrie mit ihren Verbrennungsmotoren. Dieses Geschäftsmodell wird gerade durch Autos mit Elektromotoren abgelöst. Im Sinne der DT ist allerdings ein anderer Aspekt noch wichtiger als die Antriebstechnik: Die Software im Auto wird immer wichtiger, die Hardware dagegen immer nebensächlicher. Selbstfahrende Autos wird es nur mit der entsprechenden Software geben. Wie kräftig der Antrieb eines E-Autos ist, gibt die installierte Software-Version vor, nicht mehr die Anzahl der Zylinder.

An der Spitze der DT stehen Unternehmen wie Tesla, Uber oder AirBnB, die allesamt herkömmliche Geschäftsmodelle mithilfe digitaler Prozesse und Transaktionen „auf links drehen“. Interessant wird es nun sein, wie die „Old Economy“ mit dem Thema Digitale Transformation umgeht. Einige suchen dabei den Weg des geringsten Widerstandes.

Ein sehr gutes Beispiel

Die Neugelb Studios in Berlin. Sie sind ein Spin-off der Commerzbank und haben es sich zur Aufgabe gemacht, die „Finanzservices der Zukunft“ zu gestalten. Meine Vermutung: Mit Neugelb hat sich die Commerzbank ihren eigenen Think Tank gegründet, der sich Gedanken zur Digitalen Transformation macht. Warum das der Weg des geringsten Widerstandes ist? Weil Neugelb abseits der Zentrale sitzt, keine Prozesse geändert werden mussten, da wahrscheinlich nur wenig Commerzbank-Stammpersonal arbeitet und das Ganze scheitern darf, ohne dass der Name „Commerzbank“ Schaden nehmen würde.

In marketing- und vertriebsorientierten Organisationen spielen zur Zeit weniger interne Prozesse eine Rolle als der digitale Blick auf Customer Experiences, digitale Produkt-Mehrwerte, digitales Multichannel, Marketing Automation, programmatische Werbung, künstliche Intelligenz oder Deep Learning. Alles Themen innerhalb der großen „Transformationsglocke“, deren Ausprägungen in der Lage sind, die Art und Weise zu verändern, wie Kundenerlebnisse und Kundenkontakte jetzt und in Zukunft aussehen werden.

Dieser Artikel ist Teil 1 der Reihe „Digitale Transformation im Marketing“. Die fünf weiteren Teile dieser Reihe behandeln die folgenden Themen: Internet-of-Things, Customer-Relationship-Management, Marketing Automation, Künstliche Intelligenz und Virtual Reality.

Thilo Kölzer ist Vorstandsmitglied und Verantwortlicher für Digital & Mobile, Performance Marketing und Internet-of-Things bei der antwerpes ag.